Geschichte

Ursprünge und Entwicklung der Freimaurerei in Stade

Wenn man sich mit diesem Thema auseinandersetzt, muss man zwangsläufig die politischen Verhältnisse der damaligen Zeit mit einbeziehen, um den Zeitgeist – zumindest ansatzweise- zu erkennen.

Stade als Garnisonsstadt hatte in der Vergangenheit eine sehr wechselvolle Geschichte, von der die Gründung und Entwicklung der Stader Freimaurerlogen doch maßgeblich beeinflusst wurden.

Deutlich geprägt wurde Stade von der schwedischen Besatzung, die von 1645-1712, also 67 Jahre andauerte. Es folgten 3 Jahre dänische Herrschaft, bevor im Jahre 1715 das Königreich Hannover – seit 1714 mit Großbritannien in Personalunion vereint – die Herzogtümer Bremen und Verden mit dem Verwaltungssitz Stade für 600.000,– Taler erwarb.

Ein Überbleibsel aus schwedischer Zeit war Stade erhalten geblieben: Die Stadt blieb Garnisonsstadt von strategiescher Bedeutung. Am Sande entstanden 1736 die ersten Kasernen und während des Siebenjährigen Krieges von 1756-1763, in dem Preußen mit Unterstützung Englands unter anderem gegen die Großmächte Russland, Österreich und Frankreich kämpfte, wurde in der Stadt zeitweise das englische Hauptquartier aufgeschlagen. Vom Stader Hafen zogen Truppen, die England zuvor angeworben hatte, zum Kampf nach Übersee; sie kämpften etwa in Nordamerika gegen französische Einheiten um die dortigen Kolonien.

In diese Zeit fiel auch die Gründung der ersten beiden Freimaurerlogen in Stade in den Jahren 1777 und 1787.

Militär und Krieg begleiteten die Geschichte Stades auch im 19. Jahrhundert – und in diese Zeit fallen auch die Gründungen der beiden
weiteren Logen in den Jahren 1822 und 1845. In der Folge der Napoleonischen Kriege wurde Stade in schneller Abfolge von verschiedenen Truppen besetzt:

  • 1801 erste preußische Besetzung
  • 1803 erste französische Besetzung
  • 1806 zweite preußische Besetzung
  • 1810 Stade wird an das Königreich Westfalen angeschlossen, das vom Bruder Napoleons, Jérôm, regiert wurde
  • 1811 Einverleibung Stades in das Kaiserreich Frankreich
  • 1813 Kapitulation der französischen Truppen

Nach der Niederwerfung Napoleons kommt Stade 1814/1815 wieder zu Hannover. 1833 wird das Königreich Hannover mit der Verkündung des Grundgesetzes durch König Wilhelm IV zur konstitutionellen Monarchie 1837 erfolgt die Trennung der Personalunion England-Hannover und 1866 schließlich wird Stade durch Preußen eingenommen, das Königreich Hannover wird preußische Provinz.

Die Einwohnerzahl von Stade in diesen zwei Jahrhunderten schwankt zwischen 4.000 und 6.000 Einwohner. Erst Ende des 19. Jahrhunderts steigt die Einwohnerzahl im Zuge der Industrialisierung auf 10.000 Einwohner.

 

Zum Großen Christoph

1777-1857 (1907 in Bergedorf reaktiviert)

Im Frühjahr 1777 fassten einige Brüder aus Stade und Umgebung den Plan, in Stade eine Loge zu gründen. Sie wandten sich an den Kapitän der Infanterie, Anton Detlef von Schönermarck, der als eifriger Freimaurer bekannt war. Er leitete die richtigen Schritte ein, wurde Stifter der Loge und Ehrenmitglied der Loge „Zum Großen Christoph“.

Am 24. September 1777 wurde der „Große Christoph“ in Stade installiert. Kurz vorher war die Provinzialloge von Niedersachsen gegründet worden, zu der neben 14 anderen Logen auch der „Große Christoph“ gehörte. Man wollte die Loge „Winkelmaß“ nennen – weshalb schließlich der Name „Großer Christoph“ gewählt wurde, ist nicht bekannt. Der „Große Christoph“ arbeitete nach dem System der Großen Landesloge von Deutschland in Berlin.

Bis zum Frühjahr 1778 fanden die Arbeiten der Loge im Hause des Hauptmanns Everts statt, danach verlegte man die Loge in das Haus des Landeskonsulenten Wehner, der dafür 35 Thaler Mieter erhielt; wahrscheinlich erst nach den Freiheitskriegen mietete man den Ratsweinkeller.

Im Mitgliederverzeichnis vom Januar 1778 sind 28 Mitglieder aufgezählt. Schon 1780 war der Kassenbestand so gut, dass den Stiftern das vorgeschossene Geld zurückgezahlt werden konnte 1781 ging eine Anzahl von Brüdern mit dem 15. Und 16. Regiment nach Ostindien.
1782 wird Hauptmann von Holle Meister vom Stuhl, der die Loge 8 Jahre lang führte. 1790 wird David Heinrich Wehner, Consulent der Marschländer, Meister vom Stuhl der Loge „Zum Großen Christoph.

Merkwürdig ist, dass gerade diese Loge, welche unter der „Großen Landesloge“ arbeitete, alle „Stürme“ überdauerte, während die anderen Logen nach kurzer Dauer wieder eingingen Im Jahre 1802, also ein Jahr, nach dem die Loge „Charlotte zur gekrönten Tugend“ ihre Arbeiten eingestellt hatte, war die Mitgliederzahl beim „Großen Christoph“ auf 49 Brr angewachsen. Von 1803-1814 ruhten wegen der kriegerischen Unruhen die maurerischen Arbeiten, doch fanden ab und zu Logen statt.

Der Logenmeister Wehner konnte im Frühling 1815 die Hoffnung aussprechen, dass „von jetzt ab die regelmäßigen Arbeiten wieder
aufgenommen werden“. Erster und zweiter Aufseher waren zu diesem Zeitpunkt zwei Schiffskapitäne, Detjens und Rüdiger, „Sekretär der „Königliche Oberdeichgräfe“ Niemeyer, Redner der „Königliche Commissarius“ Fisci von Bremen, Schatzmeister der Kaufmann van Neß. In Stade wohnten 15 Mitglieder, 30 waren auswärtige Brüder. Am 10. Februar 1816 verstarb der Logenmeister Wehner, der 26 Jahre ohne Unterbrechung die Loge geführt hatte, mehr durch Liebe als durch Gesetz, wie es in seinem Nekrolog hieß. Sein Nachfolger wurde der „Königliche Hofrat“ Haltermann. Logenbeamte waren auch die Brüder Teppe und Fischer, die mit den Streitigkeiten, die zwanzig Jahre später ausbrachen und zur Gründung einer neuen Loge führten, in Zusammenhang gebracht wurden. Die Mitgliederzahl stieg auf 61 Brüder und hielt sich längere Zeit auf diesem Niveau.

Im Jahre 1818 trat Gottlieb Wilhelm Freudentheil, erster Ehrenbürger der Stadt Stade, in den Orden ein und wurde bald Redner. Er zeichnete sich durch „eminente Geistesgaben“ aus und es war wohl auch sein Verdienst, dass die Loge „zur großen Blüte kam“. Zum 50. Stiftungsfest im September 1827 hatte Freudentheil, inzwischen „deputierter“ Logenmeister, ein sechs Seiten langes Gedicht verfasst, dass allgemein Beachtung fand; es war betitelt mit „Religion, Glaube, Liebe, Hoffnung in Beziehung zur Weisheit, Schönheit, Stärke“.

In den 50 Jahren des Bestehens waren

  • 104 Suchende aufgenommen
  • 85 Brüder Lehrlinge zu Gesellen und
  • 64 Brüder Gesellen zu Meistern befördert und
  • 31 Brüder angenommen

worden.

Von einheimischen Mitgliedern wurden 4 Thaler jährlich bezahlt, von auswärtigen 1 Thaler und 8 Groschen. Die Miete für das Logenlokal „Ratsweinkeller“ betrug 40 Thaler.

Im Jahre 1833 legte der Logenmeister Haltermann sein Amt nach 17 Jahren nieder; er wurde zum „Ehrenmeister“ gewählt. Im folgte als Logenmeister der Wasserbaudirektor Niemeyer; deputierter Logenmeister blieb Freudentheil. Erster Aufseher war wohl noch immer Georg Teppe, zweiter Aufseher Senator Haverkampf, Sekretär Revisor Hartung, Redner „Landes-Ekonomie-Conducteur“ Röhl, Schatzmeister „Tabaksfabrikant“ Holtz. So blieb es lange Jahre.

Etwa 3 Jahre später im Jahre 1837 gab es bei einigen Mitgliedern Bestrebungen, eine Loslösung der Loge von der Großen Landesloge und einen Anschluss an die hannoversche Großloge zu erreichen. Letztere war am 1. November 1828 aus der bisherigen hannoverschen Provinzialloge (unterstand der englischen Großloge) hervorgegangen. Sie hatten ein Interesse daran, dass möglichst alle Logen des Königreiches Hannover unter ihrem Hammer arbeiteten. Schon am 4. März 1837 hatte die hannoversche Großloge ein Schreiben an die Brüder des „Großen Christoph“ gerichtet und die Bitte ausgesprochen, die dortigen Brüder möchten mit der hannoverschen Großloge in engere Verbindung treten. Dieser Wunsch wurde von der Johannisloge „Zum Großen Christoph“ zunächst mit 17 zu 11 Stimmen abgelehnt. Es sollte keine neue Loge gegründet werden, vielmehr handelte es sich um den Übertritt des „Großen Christoph“ zu einem anderen System. Die „Seele“ der Bewegung für den Anschluss war Br. Georg Teppe, erster Aufseher und ehemaliger Quartiermeister der englisch-deutschen Legion; er fühlte sich als ein „Hannoveraner, dem sein König und Vaterland das Höchste sind“. Ihn und seine Anhänger bewogen also vornehmlich national-partikularistische Gründe zum Anschluss. Die politischen Verhältnisse brachten es mit sich, dass allmählich eine größere Anzahl von Brr auf seiner Seite stand. „Untertanentreue und maurerische Dankbarkeit gebieten den Anschluss“, schrieb der zweite Aufseher Kruse. In den folgenden Jahren bewegte dieses Thema die Bruderschaft.

Im Jahre 1837 war König Wilhelm IV von England gestorben und am 20. Juni 1837 hatte der Herzog von Cumberland Erst August den hannoverschen Thron als König bestiegen. Es lag nun nahe, dass besonders Beamte sich lieber einem einheimischen Logensystem anschließen wollten. Hinzu kam, dass im Jahre 1840 der Prinz von Preußen – späterer Kaiser Wilhelm I – das Protektorat über sämtliche Logen des preußischen Staates übernommen hatte. Dies brachte bei den damaligen Verhältnissen manche Schwierigkeiten für nichtpreußische Logen, die unter einer preußischen Großloge arbeiteten, mit sich. Das traf auch auf den „Großen Christoph“ zu.

Im September des Jahres 1843 wurden die Brr. des „Großen Christoph“ von ihrem Logenmeister Niemeyer aufgefordert, ihre Meinung „ in einer schriftlichen Erklärung kund zu tun „. Von den 54 aktiven Mitgliedern erklärten sich im Februar 1844 mit deutlicher Mehrheit von 45 Brr. für den Anschluss an den engeren Logenverband aus. 3 Brr. votierten dagegen, 6 Brr. gaben keine Erklärung ab. Noch auf dem Sterbebett erklärte der Logenmeister Niemeyer in Gegenwart des 1. Aufsehers und des Zeremonienmeisters, dass der Anschluss notwendig sei. Am 21. Dezember 1843 verstarb Niemeyer.

Die Große Landesloge der Freimaurer von Deutschland hatte eine andere Auffassung. In einem scharfen, aber klar gehaltenen Schreiben an die Großloge von Hannover vom 30. September 1845 bestreitet sie die Richtigkeit der Darstellung des Protokolls über die Abstimmung; an dem in der Loge „Zum Großen Christoph“ entstandenen Zerwürfnis sei lediglich der 1. Aufseher Georg Teppe, sowie eine nicht erhebliche Anzahl auswärtiger Brüder schuld.

Die drei Brüder, die sich gegen den Anschluss an die Großloge von Hannover aussprachen, waren Dr.jur. Freudentheil, der Rektor des Gymnasiums Müller und der Pastor an St. Cosmae, Lunecke. Nach dem Bericht Freudentheils an die Große Landesloge vom 27. September 1844 waren es in erster Linie maurerische Gründe. ‚Er schrieb:“ Ich bin überzeugt, dass der Bund nur auf christlichem Boden wurzeln kann und habe ferner die Überzeugung, dass er am lauterstem erhalten sei in dem uralten Systeme, nach dem der „Große Christoph“ arbeitet, dass er von keiner Großloge richtiger und treffender ausgelegt werde als von der höchstleuchtenden Großen Landesloge von Deutschland in Berlin“. Die ablehnende Haltung Freudentheils war begründet durch eine „tief eingewurzelte Abneigung gegen den König“, die er im Jahre 1837 mit der Steuerverweigerung zum Ausdruck brachte. Von Teppes Soldatenstandpunkt aus erschien dies revolutionär. Die Freimaurer, die Staatsdiener waren, scheuten den Kontakt zu Freudentheil.

Die Querelen dauerten an und zogen sich bis in das Jahr 1845 hin. Am 3. Juni 1845 war die Großloge von Hannover bereit, die Genehmigung zur Konstitution einer neuen Loge zu erteilen; am 30. August 1845 wurde das Patent ausgestellt. Die neue Loge erhielt den Namen „Friederike zur Unsterblichkeit“. Namensgeberin war die 1841 verstorbene Königin Friederike von Hannover. Damit sollte die patriotische Stellung und Haltung der Loge bekundet werden. Die Installation der „Friederike zur Unsterblichkeit“ fand am 25. September 1845 statt. Erster Meister vom Stuhl wurde Wegebaurat und Kapitän a.D. Br. Wendelstadt, erster Aufseher wurde Bruder Georg Teppe. Vom „Großen Christoph“ war kein Besuchender anwesend.

Blenden wir noch einmal zurück in das Jahr 1843, in dem am 21. Dezember der Logenmeister Niemeyer verstarb. Sein Nachfolger wurde der „Rector des Gymnasiums“ Müller. Die Mitgliederzahl lag bei 56 Brr. Durch die Gründung der Johannisloge „Friederike zur Unsterblichkeit“ im Jahre 1845 ging die Zahl der Brr. beim „Großen Christoph“ auf 29 Brr. zurück und hielt sich auf diesem Niveau 10 Jahre. Die Brüder vom „Großen Christoph“, die weiterhin unter dem Dach der Großen Landesloge von Deutschland arbeiteten, fürchteten nicht die Konkurrenz der neuen Loge; der Stuhlmeister schreibt: „Der Kreis unserer Brüder ist zwar nur klein, aber er steht jetzt gereinigt und geläutert, erneuert und wiedergeboren, gehoben und begeister da, weil er das Fremdartige von sich ausgeschieden, das Kalte und Todte aus seiner Mitte gebannt hat.“ So arbeiteten seit dem 25. September 1845 in Stade zwei Freimauerelogen: die „alte“ Johannisloge „Zum Großen Christoph“ und die „neue“ Johannisloge „Friederike zur Unsterblichkeit“.

Die Spannungen zwischen den beiden Logen dauerten noch zwei Jahre. Im Jahre 1848 fand eine Annäherung statt; es wurden sogar Verhandlungen über die Vereinigung beider Logen geführt. Aber es war klar, dass diese erfolglos bleiben mussten, weil keine Loge ihre Lehrart aufgeben wollte. Die Querelen der beiden Logen setzten sich zunächst fort. Das Vermögen des „Großen Christoph“, im Wesentlichen seit 1814 durch Beiträge gesammelt, hatte sich auf stattliche 1172 Thaler angesammelt. Dazu hatten auch die ausgeschiedenen Mitglieder beigetragen und erhoben nun Anspruch auf ihren Anteil, den sie mit 818 Thalern bezifferten. Aber die Mitglieder der „Friederike zur Unsterblichkeit“ befanden sich im Irrtum, ihnen stand ein Recht auf das anteilige Vermögen nach ihrer Entlassung nicht zu. Das hat auch die Große Landesloge mit Schreiben vom 30. September 1845 deutlich gemacht, jedoch den Brüdern des „Großen Christoph“ empfohlen, aus „brüderlich wohlwollenden Rücksichten“ einen Teil des Vermögens freiwillig zu übertragen. Dazu konnte sich aber die Loge „zum Großen Christoph“ nicht entschließen.

Die Verhandlungen beider Logen zogen sich noch bis 1848 hin, mündeten dann am 30. August 1848 in einer Vereinigung zu einem Ganzen unter dem Namen „Vereinigte Logen „Zum Großen Christoph“ und „Friederike zur Unsterblichkeit“ im Orient Stade“. Sie bestanden aber nach wie vor getrennt und arbeiteten nach ihren bisherigen Ritualen. Das Vermögen wurde zusammengeführt, es gab nur einen Schatzmeister. Die getrennten Arbeiten fanden im selben Lokal statt, die Brüder besuchten sich wechselseitig und waren zu jeder Zeit für immer gegenseitig eingeladen. Bruder Teppe versuchte mit allen Mitteln, die Vereinigung zu torpedieren, beschwerte sich über seine eigenen Logenbrüder und deckt schließlich. Dieser Abschluss entbehrt nicht einer gewissen Tragik – einer der eifrigsten Freimaurer, seit 43 Jahren dem Bunde angehörig und um die Aufrechterhaltung des „Großen Christoph“ 1814 verdient gemacht, die treibende Kraft bei der Gründung der „Friederike zur Unsterblichkeit, tritt an seinem Lebensende ohne Sang und Klang aus dem Bunde.. Aber er war ein alter Mann von 82 Jahren, den das Leben misstrauisch und wunderlich gemacht hat. Mit seiner Deckung war die Krise überwunden.

Der Friede sollte aber nicht lange anhalten, es gab zu viele Meinungsverschiedenheiten. Zum endgültigen Bruch kam es bei der Judenfrage. Ende 1850 hatten sich zwei Juden zur Aufnahme in die „Friederike zur Unsterblichkeit“ gemeldet, einer davon war der Kaufmann Salomon, der auch im folgenden Jahr aufgenommen wurde. In beiden Logen wurde gekugelt, aber es gab in der Frage der Aufnahme von Juden unterschiedliche Auffassungen. Der Logenmeister des „Großen Christoph“, Br. Müller, schreibt wörtlich: „Die Judensache hat die beiden hiesigen Logen auseinander gerissen“.

Man sehnte sich danach, wieder auseinanderzukommen, das Verhältnis war zerrüttet. Im Januar 1852 wurde die Aufhebung der Gemeinschaft vom 30. August 1848 beschlossen.

Im Jahre 1850/1851 wird Br. Freudentheil (geb. am 24.09.1792 in Stade) Logenmeister der Johannisloge „Zum Großen Christoph“. Er war die Seele der Loge und hatte durch seine Begabung hervorragenden Einfluss auf seine Brüder.

Freudentheil war oft Gast in Bergedorf, da er ein Freund des durch seine schriftstellerische Tätigkeit bekannt gewordenen Bürgermeisters Nicolaus Hinsche war. Damals hat sich Bruder Freudentheil sicherlich nicht träumen lassen, dass sein mit Feuereifer geleiteter „Großer Christoph“ einst in Bergedorf zu neuer Größe und hohem Ansehen entstehen würde. Das traurigste Kapitel des „Großen Christoph“ trägt das Datum 5. Mai 1856: die Großloge von Hannover teilt mit, dass Seine Majestät König Georg V – seinerzeit noch kein Freimaurer – als Bedingung für seinen Eintritt in den Orden die Forderung gestellt habe, dass sämtliche Johannislogen des Königreiches Hannover sich der hannoverschen Großloge unterordnen sollten. Logenmeister Freudentheil versuchte, dies mit allen juristischen Mitteln und unter Einschaltung der Großen Landesloge zu verhindern, jedoch ohne jegliche Aussicht auf Erfolg. Bruder Freudentheil versuchte es mit einer Intervention an den König, in der er betonte, dass seine Loge auf christlichem Boden stehe, was bei der leeren Humanitätsmaurerei nicht der Fall sei. Den König hat die Initiative offensichtlich beeindruckt, in der Sache jedoch hatte die Eingabe keinen Erfolg. In maurerischen Kreisen erregte dieses „gewalttätige Verfahren“ großes Aufsehen, man konnte nicht begreifen, dass der christlich gesinnte König so entscheiden konnte. Die Große Landesloge dankte Br. Freudentheil mit einem anerkennenden Schreiben, die Provinzialloge von Mecklenburg und die 6 Hamburger Logen machten Freudentheil zum Ehrenmitglied.

 

Charlotte zur gekrönten Tugend

1787-1801

Im Jahre 1787 fassten 12 Brüder Freimaurer in Stade den Plan, eine neue Loge zu gründen; es waren vorwiegend Beamte und Offiziere. Sie bildeten zunächst ein „Maurerkränzchen“ und hielten ihre Versammlungen im Gasthof „Herzog von Cumberland“ (später Norddeutscher Hof) ab. Die Loge stellte sich unter den Schutz der Provinzialloge von Hannover. Mit den Brr. vom „Großen Christoph“ – die Loge bestand seit 10 Jahren – verkehrten sie freundschaftlich, aber sie waren mit dem Zinndorfschen System nicht einverstanden. Sie wünschten eine Loge englischen Systems zu gründen und die Schottengrade zu verbannen.

Die Provinzialloge Hannover erklärte sich mit Schreiben vom 24. November 1789 bereit, die erbetene Konstitution zu erteilen, nachdem an die Großloge von England 5 ₤ 5 Shillinge bezahlt wurden. Aber erst ein gutes Jahr später, am 16. Dezember 1790 wird die Loge installiert.

Meister vom Stuhl wurde Ferdinand Adolf von Ende, königlich- und kurfürstlicher Justizrat, I und II Aufseher die Brr. von Rönne und Diehle, Sekretär Br. von Hedemann, Schatzmeister Br. Drewsen und Wachthabender Br. Hinze.

Bei der ersten Arbeit wurden drei Brr. Lehrlinge aufgenommen, u.a. der 64 jährige Chef des 4. Regiments Generalmajor von Mutio. Die Loge arbeitete in einem gemieteten Lokal des Weinhändlers Vollmer in der Bungenstraße, welches zwischen dem Gasthof „Bischof von Osnabrück“ und dem Hause des Holzhändlers Beyme lag. Als Mietpreis für die Dauer von 10 Jahren wurde ein Preis von jährlich 45,– Talern vereinbart. Die Brüder trafen sich neben den zahlreichen Logenarbeiten auch 14 tägig zum Clubabend und aßen ein einfaches Abendbrot.

Eigentümlich berührt § 2 der Clubstatuten: Das Einheizen und die Beleuchtung trägt die Logenkasse, hingegen bezahlt ein jeder Bruder bar, was er verzehrt.

Die Herkunft des Namens „Charlotte zur gekrönten Tugend“ ist nur eine Vermutung: die Gemahlin des Königs Georg III hieß Sophie Charlotte, zugleich eine geborene Prinzessin von Mecklenburg-Strelitz, also eine Verwandte des Großmeisters Carl von Mecklenburg.

1791 verlegte der Meister vom Stuhl, Ferdinand Adolf von Ende, seinen Wohnsitz nach Celle, hielt aber schriftlichen Kontakt zur Loge. Dennoch wurde er immer wieder gewählt – damit ehrten ihn die Brüder. Die Loge wurde von dem deputierten Meister von Rönne verwaltet. Die Seele der Loge aber blieb der Meister vom Stuhl, Justizrat von Ende; er hatte ein großes Gesetzbuch verfasst, das er den Brr. vorlegte. Es handelte von den Pflichten gegen Gott und den Staat, gegen die Ordensbrüder und den Eigenschaften des Freimaurers. Der Paragraph über die Aufnahme lautete: „Niemand kann in den Orden aufgenommen werden als ein freier Mann, von freien Eltern geboren, zwanzig Jahre alt und ein Bekenner der christlichen Religion“. Der Meister vom Stuhl hielt strenge Disziplin: zu spät kommen wird bestraft, unentschuldigtes Ausbleiben ebenfalls.

1794, also vier Jahre nach Gründung, hatte die Loge schon 34 Mitglieder, im Wesentlichen Offiziere und Beamte aus Stade und Umgebung. Mit der Aufnahme war man sehr vorsichtig.

Das anfänglich rege Logenleben setzte sich bis Ende 1794 fort, stagnierte dann aber und entwickelte sich zunehmend rückläufig. Die Gründe waren wohl darin zu sehen, dass die Brüder überwiegend Offiziere und Beamte waren. Die Offiziere nahmen an den Kaolitionskriegen teil, die Beamten wurden häufig versetzt.

Im Februar 1797 hielt der deputierte Meister vom Stuhl, Justizrat von Willich eine ökonomische Loge ab, in der über die eventuelle Auflösung beraten werden sollte, hauptsächlich wegen der „pekuniären Lage“. Die Beiträge reichten nicht mehr aus, um die Kosten zu decken und auch über die säumigen, auswärtigen Zahler wird geklagt. Aber die Brüder wollten eine Auflösung verhindern, beschlossen eine Beitragserhöhung auf 8 Thaler jährlich und hofften, dass bald friedliche Zeiten kommen und die in Kriegsdiensten befindlichen Brr. zurückkehren würden. Aber der Friede kam nicht, die Lage wurde nicht besser; das letzte Protokoll ist vom 2. März 1798, doch das letzte Stiftungsfest wurde 1799 mit 6 Mitgliedern und 6 besuchenden Brr. gefeiert. Aber durch den Fortzug vieler Beamter war das Ende der Loge abzusehen Offiziell hat sich die Loge nicht aufgelöst; das „letzte Lebenszeichen“ war eine Abschrift von Statuten des großen Freimaurervereins der englischen Provinzialloge Hannover, datiert vom 13. November 1801 – fast exakt 11 Jahre nach Installation der Loge.

 

Adolfus zur deutschen Einigkeit und Treue

1816-1818, 1822 umbenannt in

Adolfus zur gekrönten Tugend

1822-1825

Die Wiege der Loge stand nicht in Stade, sondern in der französischen Stadt Condé im nördlichen Frankreich, nicht weit von der belgischen Grenze entfernt.

Während die deutschen Besatzungstruppen nach dem zweiten Pariser Frieden in Frankreich lagen, gründeten Offiziere und Ärzte am 7. Oktober 1816 eine Feldloge. Das Konstitutionspatent wurde von der großen Provinzialloge „ Friedrich zum weißen Pferde“ in Hannover ausgestellt. Das Logensiegel bestand aus zwei umfassenden Händen, worüber eine Krone und das Auge der Allwissenheit standen.

Es wird angenommen, dass Prinz Adolf von England und Herzog von Cambridge der Loge den Namen gab. 1816 wurde er zum Generalstatthalter von Hannover ernannt und „erwarb sich als solcher die Liebe der Bürger“. Einige Mitglieder der Loge gehörten schon der Loge „Charlotte zur gekrönten Tugend“ an, so dass ein gewisser Zusammenhang zwischen den beiden bestand.

Meister vom Stuhl war der Oberstleutnant von Holleufer, die Zahl der Mitglieder, die in Condé oder St.Amandt wohnten, betrug 16. Im Mai 1817 wurde Holleufer abberufen und Kommandeur des Landwehrbataillons in Harburg. Ihm folgte als Meister vom Stuhl der Oberstleutnant von Bock, Kommandeur des Grenadier-Bataillons Verden. Auch er blieb nur kurze Zeit im Amt, ihm folgte Oberwundarzt H. Thomas. Im Herbst 1818 rückten die Besatzungstruppen aus Frankreich ab; die Feldloge wurde aufgelöst, das letzte Protokoll stammte vom 25. Oktober 1818, das Corps marschierte ins Vaterland zurück.

Als im Jahre 1821 das 9. Infanterie-Regiment nach Stade in Garnison kam, stifteten einzelne Mitglieder der früheren Feldloge „Adolfus zur deutschen Einigkeit und Treue“ eine neue Loge, gewissermaßen als Fortsetzung der Feldloge. Es waren dies Oberstleutnant Bock, Oberwundarzt Thomas und der wieder nach Stade versetzte Oberstleutnant Holleufer. Sie nannten die Loge „Adolfus zur gekrönten Tugend“ und bekundeten damit den Zusammenhang zwischen den früheren Logen „Charlotte zur gekrönten Tugend“ und „Adolfus zur deutschen Einigkeit und Treue“.

Das Konstitutionspatent datiert vom 28. Januar 1822. Bruder Thomas wird als Meister vom Stuhl eingesetzt. Am 11. April 1822 wird die Johannisloge „Adolfus zur gekrönten Tugend“ feierlich installiert.

Bei der Feier war auch der Meister vom Stuhl der Johannisloge „Zum Großen Christoph“, Bruder Haltermann zugegen und brachte den Wunsch zum Ausdruck, dass zwischen beiden Logen ein gutes Verhältnis bestehen möge. Das schien auch gut zu funktionieren, obwohl sich 5 Brr. vom „Großen Christoph“ sich der neuen Loge anschlossen.

Die Johannisfestloge hielt wegen der verschiedenen Systeme jede Loge für sich ab, die Tafelloge jedoch wurde gemeinsam abgehalten. Neben den 11 Beamten startete die Loge mit weiteren 18 Mitgliedern. Der überwiegende Teil der Mitglieder waren Beamte und Militärs. Die Seele der Loge war der Redner Pastor G. Hinterthür.

Das Logenlokal war der hiesige Ratsweinkeller. Bis 1824 stieg die Mitgliederzahl auf 34 Brr. Aus den Protokollen, zu denen die die Bücher der ehemaligen Feldloge benutzt wurden, geht hervor, dass die Loge geistig sehr bedeutende Kräfte hatte, die sich über alle Fragen der Freimaurerei verbreiteten.

Trotz alledem ereilte die Loge „Adolfus zur gekrönten Tugend“ das gleiche Schicksal wie die Loge „Charlotte zur gekrönten Tugend“ im Jahre 1801. im Hinblick darauf, dass das 9. Regiment verlegt wurde, wurde die Loge derart geschwächt, dass sie keinen langen Bestand mehr hatte. Nach nur drei Jahren fand am 28. März 1825 die letzte Loge statt, danach wurde die Loge inaktiv.

 

Geschichtliches der „Friederike zur Unsterblichkeit“

image023Am 3. Juli 1845 hat unsere Loge von der Großloge des Königreiches Hannover die Genehmigung zur „Constitution“ erhalten. Im selben Jahr erteilte König Ernst August von Hannover, Großmeister der Ehrwürdigsten Großloge des Königreiches, das Patent zur Gründung der vollkommenen und gerechten St. Johannisloge “Friederike zur Unsterblichkeit“ i.O. Stade. Die Installationsfeier, Stiftungsdatum der „Friederike“, wurde auf den 25. September 1845 festgelegt. Eröffnet wurde diese Festarbeit vom damaligen Großaufseher, Bruder Taberger. Nachdem die Konstitutions-Urkunde verlesen worden war, konnte der 1. Meister vom Stuhl unserer Loge, Bruder Wendelstadt, die Festarbeit weiterführen.

Der Name „Friederike zur Unsterblichkeit“ geht auf den Namen der 1841 gestorbenen Gemahlin des Königs Ernst August von Hannover zurück. Der Wahl des Namens lag eine patriotische Haltung der Logenmitglieder zugrunde und die Tatsache, dass Friederike humanistisches Gedankengut in Handeln umsetzte, das auch den Freimaurern Grundlage ihres Wirkens ist.

Nach Besetzung und Annexion des Königreiches Hannover durch Preußen ist unsere Loge am 16. Mai 1868 in die preußische Großloge „Royal York genannt zur Freundschaft“ übernommen worden.

Im Jahr 1870, zum 25. Stiftungsfest, erwarb man ein eigenes Logenhaus in der Schmiedestrasse Nr. 262.

Das 50-jährige Stiftungsfest wurde 1895 im Hotel des Bruders Birnbaum gefeiert, weil die Räumlichkeiten im eigenen Haus nicht ausreichten. Das Logenhaus blieb aber in der Schmiedestraße (heute Große-Schmiede-Straße Nr. 5).

Während des 1. Weltkrieges nahm die Großloge den Namen „Große Loge von Preußen“ an. Das Hotel Birnbaum wurde 1924 als neues Logenhaus gekauft, denn 1925 betrug die Zahl der Mitglieder immerhin 100 Brüder.

Unsere Loge musste sich 1934, wie alle anderen Logen auch, auflösen. Die Gestapo beschlagnahmte das gesamte Logeninventar und verschleppte es nach Wesermünde.

Nach dem 2. Weltkrieg versammelten sich im Oktober 1945 fünfzehn Brüder im Hotel Birnbaum und gründeten das sog. „Freimaurerische Kränzchen“. Im Januar 1947 wurde beschlossen, unserer Loge wieder einzusetzen. Zuvor musste allerdings die britische Militärregierung ihre Genehmigung erteilen.

Als Logenhaus diente zunächst das Gebäude des Heimat– und Geschichtsvereins in der Eisenbahnstrasse, ab Februar 1955 das unter schwierigen Umständen zurück erhaltene Hotel Birnbaum.

Logenhaus Freiburger Straße 1
Logenhaus Freiburger Straße 1

Seit dem 1. Juni 1965 ist unsere Loge in der Freiburger Strasse Nr. 1. Mit sehr viel Engagement haben die Brüder seither das Haus, das inzwischen unter Denkmalschutz steht, zu einem Schmuckstück der Stadt Stade gemacht.

1977 veranstaltete unsere Loge eine viel beachtete Ausstellung mit dem Titel „200 Jahre Freimaurerei in Stade“. Die Stadtsparkasse stellte dazu ihre Räume zur Verfügung.

Die 150 Jahr Feier wurde am 15. August 1995 mit einem Festakt im Stader Rathaus eingeleitet und mit der anschließenden Eröffnung einer umfangreichen, vierwöchigen freimaurerischen Ausstellung im Schwedenspeicher begleitet. Das eigentliche Stiftungsfest fand dann am 7. Oktober im Königsmarksaal des Rathauses unter Teilnahme von mehr als 240 Brüdern aus nah und fern statt.

Die Mitgliederzahl der „Friederike zur Unsterblichkeit“ beträgt heute etwa 70, Stand July 2016, Brüder.